Planungen für Nordumfahrung Schwerin stoppen!

Mit einer Fotoaktion protestierten am Sonntag etliche Schweriner:innen aus den Ortsteilen Carlshöhe und Wickendorf gegen den geplanten Bau der Nordumfahrung von Schwerin. Dieses Vorhaben, so die Meinung der Anwohner:innen, zerstört Teile des EU-Vogelschutzgebietes „Schweriner Seen“, insbesondere das Wickendorfer Moor, es versiegelt wertvollen Ackerboden und führt zu wachsendem Folgeverkehr, statt Verkehr zu reduzieren. Die Planungen sind erneut Thema auf der kommenden Sitzung des Ortsbeirates Wickendorf, Medewege am Donnerstag, den 6. Mai.

Unterstützt werden die Umweltschützer:innen von der grünen Fraktion in der Schweriner Stadtvertretung. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Arndt Müller, Mitglied im Umweltausschuss, kritisiert das Festhalten der Bundes- und Landesregierung an Verkehrskonzepten der Vergangenheit:

„Der Verkehrssektor ist mit 165 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr die drittgrößte CO2-Quelle in Deutschland. Den größten Anteil daran hat der Individualverkehr auf den Straßen. Bund und Land sind gut beraten, solch überflüssige Straßenbauvorhaben, wie die Nordumfahrung Schwerins, zu streichen. Stattdessen sollten die Kommunen mehr Geld für den Unterhalt der vorhandenen Straßen und den Ausbau des ÖPNV bekommen.
Wir protestieren gegen die geplante Zerschneidung eines Teilgebietes des EU-Vogelschutzgebietes Schweriner Seen. Wir fordern den Stopp der Planungen für die Nordumfahrung und verweisen auf den Beschluss der Stadtvertretung zum ‚Klimanotstand‘. Demnach verpflichtet sich Schwerin, bis 2035 klimaneutral zu sein. Mit der geplanten Nordumfahrung kann das nicht gelingen. Es wird mit ihr nicht weniger, sondern voraussichtlich mehr Straßenverkehr erzeugt.“

Hintergrund:

Klimaschutz ist in aller Munde. Und das nicht erst seit dem bemerkenswerten Urteil aus der letzten Woche. Das Bundesverfassungsgericht Karlsruhe hatte geurteilt, dass die Bundesregierung mit der Auflage eines Klimagesetzes bei der Festlegung von Klimaschutzzielen zu wenig unternimmt.
Eine der umstrittensten Planwerke ist in diesem Zusammenhang der Bundesverkehrswegeplan. Zuletzt 2016 aktualisiert setzt er auf zahlreiche Straßenneu- und -ausbaumaßnahmen, u.a. auch auf die Nordumfahrung der Stadt Schwerin. Kritik gab es dafür bei Herausgabe des Plans u.a. von der Umweltfachbehörde des Bundes, vom Umweltbundesamt: „Insgesamt verfehle der Entwurf elf von zwölf im eigenen Umweltbericht gesetzte Ziele, teilte die Behörde mit.“ (Zitat aus „Verkehrsplan des Bundes verfehlt eigene Umweltprüfung“ in DIE ZEIT vom 25. April 2016, abgerufen am 3.5.2021)

Ab kommendem Jahr soll die so genannte Nordumfahrung der Landeshauptstadt, eine rund 4 Kilometer lange Verbindung zwischen den Bundesstraßen B106 und B104 in das Genehmigungsverfahren gehen. Die bisherigen Kosten sind auf 33 Millionen Euro veranschlagt.  

1 Kommentar

  1. Dieter Schwarz

    Auch aus Verkerhsgründen überflüssig !

    Es geht bei dieser Großbaustelle nicht nur um die Schäden für Natur, Umwelt und Klima. Vielmehr fehlen vor allem überzeugende Verkehrsargumente, die den Bedarf für ein 60Mio-Bauwerk mit der rekordverdächtigen Zahl von 5 teurenbBrücken und Unterführungen auf wenige km begründen.

    Das Land hatte gegenüber dem fernen, aber stets bau- und genehmigungsfreudigen BMVI in Berlin für die alten Pläne noch mit Staus in Schwerin argumentiert – eine Begründung, die auch im Sommer 21 immer noch zu hören war. Es ist jedoch weder in Stadt noch Umland irgend ein schwerwiegendes Verkehrsproblem bekannt, das durch eine neue Straße zwischen Wickendorf und Seewarte gelöst werden müsste. Und Staubildungen um Paulsdamm und Rampe würden durch diese Maßnahme während und nach der Bauzeit eher noch verstärkt. Ein dringender Baubedarf ist nicht zu erkennen.

    Regionale und kommunale Straßenplaner sowie das interessierte Baugewerbe versuchen auch in Zeiten des klimabedingten Umdenkens immer noch, die Perfektionierung von Ringstraßen um jede Stadt herum wie ein Naturgesetz den Menschen in die Landschaft zu klotzen.

    Man kann aber 2021 nicht mehr überall dort Straßen verwirklichen, wo vor und kurz nach der Wende planerische Bleistiftlinien in die alten Landkarten eingezeichnet worden waren. Heute sind gewaltige Kreuzungsbauten nötig (oder werden sie gar nur eingeplant, damit möglichst viel Geld vom Bund ins Bundesland gepumpt wird ?

    Auch müssten die anderswo doch so moorbodengeschädigte Landesregierung eingesehen haben, dass es eben Gebiete im Land gibt, die sich für immer neue Straßenbauerei nicht eignen.
    Und soll den dort lebenden Menschen ihr Umfeld zerstört werden, nur damit diejenigen, die ihnen Lärm und Gestank bringen, um einige Minuten schneller von A nach B rauschen können?

    Sicher ist es für alle Landesregierungen grundsätzlich nicht einfach, auf Gelder des Bundes zu verzichten. Dennoch sollten die Regierenden – in unvoreingenommener Abwägung aller heute wichtigen Aspekte – die früheren Pläne überprüfen und sachlich neu bewerten. Dies gilt vor allem für das zentrale Bauargument Verkehrsbedarf, mit dem sich ein solch aufwändiger Straßenbau im Jahr 2021 nicht mehr begründen lässt.

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