Am 28. Mai besuchte uns die Europaabgeordnete Katrin Langensiepen. Sie ist seit 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Greens/EFA. Als Berichterstatterin des Europäischen Parlaments zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist sie eine der profiliertesten Stimmen für Inklusion und Teilhabe auf europäischer Ebene.
Unter dem Titel: „Sichtbar machen, woran erinnert werden muss“ begleiteten wir die Europaabgeordnete Katrin Langensiepen am 28. Mai zur Gedenkstätte für die Opfer der NS-„Euthanasie“ auf dem Sachsenberg. Eingeladen hatten wir die Schriftstellerin Helga Schubert, Dr. Jörg Pink, Oberarzt der Carl-Friedrich-Flemming-Klinik (CFFK) und den Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, Jochen Schmidt. Mit dazu kam Florian Gradnitzer, Leiter des Dokumentationszentrum des Landes
für die Opfer der Diktaturen in Deutschland.
Die Gedenkstätte erinnert an die Verbrechen, die zwischen 1939 und 1945 in der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg-Lewenberg, der heutigen Carl-Friedrich-Flemming-Klinik, verübt wurden. Über 1.900 Menschen — darunter viele Menschen mit psychischen Erkrankungen, Menschen mit kognitiven Behinderungen sowie Kinder — wurden Opfer der „Aktion T4“ und der sogenannten „dezentralen Euthanasie“ durch Medikamentenüberdosierung und systematischer Vernachlässigung.
Helga Schubert las aus ihrem Buch „Die Welt da drinnen.“ Es ist ein bewegendes und einzigartiges Stück Literatur das von der Innenwelt der „Wahnsinnigen“ und der wahnsinnigen Außenwelt ihrer Ärzte und Pfleger erzählt. Besonders eindrucksvoll waren die Worte: „Unser politischer Verstand schütze uns vor einer Schwächung der offenen Gesellschaft, vor ihrer Verhöhnung. Die offene Gesellschaft schützt uns vor allem Hasserfüllten in uns selbst. Auch vor Übergriffen des Staates und vor Übergriffen anderer Menschen.“
Dies ist uns Mahnung und Auftrag zugleich.
Am Nachmittag diskutierten unter dem Motto: „Nichts über uns ohne uns!“ Menschen mit Behinderung, Vertreter*innen von Selbstvertretungs- und Selbsthilfeorganisationen, von Leistungserbringern und Leistungsträgern und Politiker:innen, was die Verpflichtungen der UN-Behindertenrechtskonvention für Schwerin konkret bedeuten. Dies insbesondere wo auf allen politischen Ebenen über Einsparungen bei der Eingliederungshilfe und bei Teilhabeleistungen diskutiert wird. Katrin Langensiepen gab einen Impuls zur europäischen Perspektive auf Inklusion und Teilhabe und eine rege Diskussion der fast 40 Teilnehmenden folgte. „Teilhabe ist ein klarer Rechtsanspruch aus internationalem Recht und kein Wohlfühlthema, das sich von selbst regelt“, sagt Regina Dorfmann, Sprecherin des Kreisverbands Schwerin. Ein klarer Auftrag für unsere Stadtvertreter*innen von Bündnis 90/DIE GRÜNEN/Die PARTEI.
Wir wünschen uns für die Zukunft in Schwerin ein reges und gutes Miteinander der Akteure für weitere Schritte gegen Diskriminierung und für eine inklusive Gesellschaft. Ihre Anregungen schicken Sie gerne an: kv@gruene-schwerin.de.